Neurofeedback zählt zu den am besten untersuchten nicht-medikamentösen Verfahren bei AD(H)S. Diese Seite fasst den aktuellen Forschungsstand zusammen – von Studienlage und Trainingsprotokollen bis zu Kosten und Anlaufstellen.
Was ist AD(H)S?
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bzw. Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS, ohne Hyperaktivität) gehört zu den häufigsten neuropsychiatrischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Etwa 5–7 % der Kinder und 2–5 % der Erwachsenen sind betroffen.
Die drei Kernsymptome sind:
- Unaufmerksamkeit – Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten
- Impulsivität – Handeln ohne nachzudenken, Schwierigkeiten beim Abwarten
- Hyperaktivität – Übermäßiger Bewegungsdrang (nicht bei ADS)
Die S3-Leitlinie der DGKJP empfiehlt einen multimodalen Behandlungsansatz, der Psychoedukation, Verhaltenstherapie und bei Bedarf Medikation umfasst. Neurofeedback wird als ergänzendes Verfahren eingesetzt.
Wie funktioniert Neurofeedback bei AD(H)S?
Neurofeedback zielt darauf ab, die Selbstregulation derjenigen Gehirnareale zu trainieren, die mit Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Konzentration verbunden sind. Über Sensoren an der Kopfhaut werden Gehirnströme (EEG) in Echtzeit gemessen und als visuelles oder akustisches Feedback dargestellt.
Die zwei häufigsten Trainings-Protokolle:
Theta/Beta-Training
Kinder mit AD(H)S zeigen typischerweise erhöhte langsame Theta-Wellen und reduzierte schnelle Beta-Wellen. Das Training zielt darauf ab, dieses Verhältnis zu normalisieren – Theta reduzieren, Beta erhöhen –, um die Aufmerksamkeit zu fördern.
SCP-Training (Slow Cortical Potentials)
Beim SCP-Training lernen Kinder, die kortikale Erregbarkeit willentlich zu steuern. Sie üben, das Gehirn gezielt zu aktivieren oder zu beruhigen – eine grundlegende Fähigkeit der Selbstregulation.
Studienlage: Was sagt die Forschung?
Überblick: Neurofeedback bei AD(H)S ist das am umfangreichsten erforschte Anwendungsgebiet des Neurofeedbacks. Mehrere Meta-Analysen und randomisiert-kontrollierte Studien belegen signifikante Verbesserungen bei Unaufmerksamkeit und Impulsivität.
Meta-Analyse: Zhong et al. 2025 (Scientific Reports)
Neurofeedback verbessert signifikant die Impulskontrolle (p < 0.0001) und das Arbeitsgedächtnis (p < 0.05). Entscheidend: Erst ab >21 Stunden Gesamttraining zeigen sich signifikante kognitive Verbesserungen. Mehr dazu →
Meta-Analyse: Arns et al. 2009 / Van Doren et al. 2019
Signifikante Effekte auf Unaufmerksamkeit und Impulsivität. Die European ADHD Guidelines Group (EAGG) stuft Neurofeedback auf Basis dieser Daten als Behandlungsoption ein.
RCT: Strehl et al. 2017
Die Effekte des Neurofeedback-Trainings halten über das Trainingsende hinaus an – ein wichtiges Kriterium für die klinische Relevanz.
→ Weitere Studien: Ausgewählte Neurofeedback-Studien (8 AD(H)S-Studien im Detail)
Neurofeedback bei AD(H)S in der Praxis
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Typische Sitzungszahl | 25–40 Sitzungen (>21 Stunden Gesamttraining empfohlen) |
| Frequenz | 2× pro Woche |
| Sitzungsdauer | 45–60 Minuten |
| Altersgruppe | Ab ca. 6 Jahren (häufigste Altersgruppe: 7–14 Jahre) |
| Häufigster Anbieter | Ergotherapie-Praxen (~80 % aller Anbieter) |
| Kosten pro Sitzung | Ca. 80–150 € |
| Kassenleistung? | Im Rahmen einer Ergotherapie über GKV abrechenbar (Kassenrezept) |
Tipp: Wartezeiten
Bei Ergotherapie-Praxen bestehen oft Wartezeiten von mehreren Monaten. Wer schneller starten möchte, kann spezialisierte Neurofeedback-Praxen als Selbstzahler kontaktieren.
Wichtige Hinweise
Neurofeedback ist kein Ersatz für eine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung bei AD(H)S. Es wird in der Praxis als ergänzendes Verfahren im Rahmen eines multimodalen Behandlungskonzepts eingesetzt. Bestehende Medikationen sollten nicht ohne ärztliche Rücksprache verändert werden.
Die Diagnose AD(H)S sollte durch einen erfahrenen Arzt oder Psychologen gestellt werden. Neurofeedback ersetzt keine Diagnostik.
Professionelles Neurofeedback-Equipment
Die MindMaster-Geräte von Mindfield sind professionelle EEG-Neurofeedback-Verstärker für Praxis und Forschung.
Weiterführende Informationen
- FAQ Neurofeedback – Häufige Fragen zu Neurofeedback
- Neurofeedback-Einführung – Grundlagen und Funktionsweise
- Aktuelle Studien 2025/2026 – Die neueste Forschung
- Ausgewählte Neurofeedback-Studien – Klassische Studien im Detail
- Studien-Hub – Studien mit Mindfield-Produkten
- Möglichkeiten mit Neurofeedback – Alle Anwendungsgebiete