EMG-Messungen vergleichen: So dokumentieren Sie Ihre Sitzungen

Sie möchten mit dem eSense Muscle erkennen, wie sich Ihre Muskelaktivität beim Sitzen verändert? Mit dem folgenden Haltungsvergleich prüfen Sie eine konkrete Frage: Was ändert sich an der Rückmeldung, wenn Sie Ihre Unterarme auflegen? Sie messen dreimal jeweils eine Minute, lassen die Elektroden an derselben Stelle und notieren Ihre Beobachtungen. Anschließend haben Sie einen festen Ablauf, den Sie bei der nächsten Sitzung wiederholen.

Ein Beispiel aus dem Fachbuch: Tippen mit vorgestreckten Armen

In Cram’s Introduction to Surface Electromyography wird ein Arbeitsplatzbeispiel beschrieben: Beim Tippen hält eine Person den Kopf nach vorn und die Arme etwas vorgestreckt. Die EMG-Messung zeigt eine erhöhte Aktivität im Nacken und oberen Trapezmuskel. Nach einer Korrektur der Haltung fällt die gemessene Aktivität geringer aus. Das Beispiel verdeutlicht, warum Sie die Sitz- und Armhaltung beim Vergleichen dokumentieren müssen. Quelle: Eleanor Criswell (Hrsg.), Cram’s Introduction to Surface Electromyography, 2. Auflage, Jones and Bartlett, © 2011, Kapitel 5, Abschnitt „Simple Postural Dysfunction“. Eigenständige Zusammenfassung des Buchbeispiels.

Für Ihren eigenen Vergleich untersuchen Sie die Armauflage. Verändern Sie dabei nur diesen einen Punkt. Lassen Sie Stuhlhöhe, Kopfhaltung und Elektrodenposition gleich. So lässt sich die beobachtete Veränderung besser der gewählten Aufgabe zuordnen.

1. Gerät und Messplatz vorbereiten

  1. Laden Sie den eSense Muscle vor der Sitzung und trennen Sie das Ladekabel. Während des Ladens sind laut Handbuch keine Messungen möglich.
  2. Setzen Sie sich an einen Tisch, an dem Sie beide Unterarme bequem auflegen können. Stellen Sie die Füße auf den Boden. Legen Sie eine Uhr mit Sekundenanzeige und das Protokoll bereit.
  3. Wählen Sie die Schulterseite, die Sie messen möchten. Verwenden Sie bei späteren Wiederholungen dieselbe Seite.
  4. Reinigen Sie die Haut an den Elektrodenstellen nach der Geräteanleitung mit einem Alkoholtupfer und lassen Sie sie trocknen. Verbinden Sie die Elektroden mit den Kabelenden, bevor Sie sie aufkleben. Verwenden Sie frische Einweg-Elektroden.

Die Schritte zum Laden, Anschließen und zur Hautvorbereitung stehen im eSense-Muscle-Handbuch, Abschnitt „Bedienungshinweise für den eSense Muscle“. Die folgende Messung ist eine Beobachtungsübung für eine bequeme Sitzhaltung. Brechen Sie die Übung ab, wenn eine Haltung Schmerzen auslöst.

2. Elektroden am oberen Trapezmuskel anlegen

Der obere Trapezmuskel liegt zwischen Nacken und Schulter. Für die Orientierung benötigen Sie zwei Punkte: den tastbaren Knochenpunkt am äußeren oberen Schulterrand (Akromion) und den Dornfortsatz des siebten Halswirbels (C7) hinten am unteren Hals. Die SENIAM-Empfehlung platziert das Elektrodenpaar auf der Hälfte der Verbindungslinie zwischen diesen Punkten.

  1. Bringen Sie die beiden Messelektroden von Kanal 1, schwarz und weiß, entlang dieser Linie an. Der Abstand zwischen den Mittelpunkten der leitenden Kontaktflächen beträgt nach SENIAM 20 mm.
  2. Bringen Sie die gelbe Referenzelektrode am Handgelenk an. Diese Referenzposition ist in der SENIAM-Empfehlung für diese Ableitung vorgesehen.
  3. Führen Sie die Kabel so, dass sie weder ziehen noch die Elektroden beim Auflegen der Arme verschieben.
  4. Fotografieren oder skizzieren Sie die Anordnung. Notieren Sie die Körperseite. Lassen Sie sich die anatomischen Bezugspunkte einmal fachlich zeigen, wenn Sie sie nicht sicher finden.

Quelle für die Position, den Abstand und die Referenz: SENIAM: Trapezius descendens, englischsprachig. Die 20 mm sind eine Vorgabe für diesen Messaufbau, kein allgemeiner Abstand für jeden Muskel.

3. Rückmeldung einstellen und Verbindung prüfen

Schalten Sie das Gerät ein und verbinden Sie es mit Ihrer Anwendung. Home arbeitet mit einem Kanal und dem voreingestellten Filter 100–200 Hz. Bei Pro wählen Sie für diese Vorlage ebenfalls 100–200 Hz. Das Handbuch empfiehlt, mit diesem schmalen Bandpass zu beginnen. Behalten Sie die Einstellung für alle drei Abschnitte und spätere Vergleichssitzungen bei.

Heben Sie die gemessene Schulter kurz und locker an und lassen Sie sie wieder sinken. Prüfen Sie, ob die Rückmeldung darauf reagiert. Reagiert sie nicht, kontrollieren Sie Verbindung, Elektrodenkontakt und Kabel, bevor Sie den Vergleich starten.

  • Pro: Verwenden Sie die mobile App für den aufgezeichneten Messverlauf. Die Mikrovoltanzeige beschreibt die elektrische Aktivität, keine Kraft in Newton. Verwenden Sie beim späteren Kurvenvergleich dieselbe Skala beziehungsweise Zoomstufe.
  • Home: Verwenden Sie durchgehend dieselbe 1-Kanal-Animation und dieselben Einstellungen. Home hat keine Aufzeichnungsfunktion. Beschreiben Sie die sichtbare Rückmeldung schriftlich; tragen Sie keine geschätzten Mikrovoltwerte ein.

4. Drei Minuten messen: A–B–A

Die folgende Mindfield-Protokollvorlage verwendet drei Abschnitte zu je 60 Sekunden. Diese feste Zeiteinteilung dient dem übersichtlichen Vergleich. Sie ist eine praktische redaktionelle Vorgabe für diese Beobachtungsübung.

  1. A1, 60 Sekunden: Sitzen Sie in Ihrer üblichen bequemen Arbeitshaltung. Die Unterarme liegen noch nicht auf dem Tisch. Halten Sie die Arme so, wie Sie sie sonst bei Ihrer Arbeit halten; ziehen Sie die Schultern nicht absichtlich hoch. Beobachten Sie besonders die letzten 30 Sekunden.
  2. B, 60 Sekunden: Legen Sie beide Unterarme bequem auf den Tisch. Lassen Sie die Schultern locker. Verändern Sie weder Stuhlhöhe noch Kopfhaltung. Beobachten Sie wieder die letzten 30 Sekunden.
  3. A2, 60 Sekunden: Kehren Sie zur Ausgangshaltung aus A1 zurück. Beobachten Sie erneut die letzten 30 Sekunden. Damit prüfen Sie, ob die Rückmeldung beim Zurückwechseln wieder in Richtung des ersten Abschnitts geht.

Pro: Zeichnen Sie jeden Abschnitt als eigene Messung auf und beschriften Sie ihn A1, B oder A2. Home: Schreiben Sie unmittelbar nach jedem Abschnitt auf, wie sich die Rückmeldung verhalten hat. Das ist Ihre eigene schriftliche Dokumentation, keine zusätzliche Appfunktion. Beurteilen Sie den längeren Verlauf beziehungsweise die wiederkehrende Rückmeldung, nicht nur einen kurzen Ausschlag beim Umsetzen der Arme.

5. Protokoll ausfüllen und den nächsten Schritt ableiten

Drucken Sie die Seite aus oder übertragen Sie die drei Protokollzeilen in Ihr Notizbuch. Notieren Sie vor Beginn: Datum und Uhrzeit, Körperseite, Elektrodenanordnung, Gerät und Edition, Anwendung, Filter sowie Stuhl- und Tischhöhe. Verwenden Sie für die drei Abschnitte diese Vorlage:

Abschnitt Beobachtung der letzten 30 Sekunden und Besonderheiten
A1: Arme frei
B: Arme auflegen
A2: wie A1

Bei Pro beschreiben Sie, ob der aufgezeichnete Verlauf in B gegenüber A1 und A2 niedriger, ähnlich oder höher liegt. Bei Home beschreiben Sie die sichtbare Änderung der gewählten Animation in eigenen Worten. Verwenden Sie diese Beschreibung bei der nächsten Sitzung wieder.

  • B zeigt bei Pro einen niedrigeren Verlauf, A2 ähnelt A1: Wiederholen Sie denselben A–B–A-Ablauf bei der nächsten Sitzung. Tritt das Muster erneut auf, spricht Ihre Beobachtung dafür, dass die Armauflage in diesem Aufbau mit geringerer gemessener Aktivität verbunden ist. Nutzen Sie das für einen bewussten Vergleich Ihrer Arbeitspositionen.
  • A1 und A2 unterscheiden sich deutlich: Kontrollieren Sie Foto, Sitzhaltung und Kabel. Notieren Sie Bewegungen, Sprechen oder verrutschte Elektroden. Wiederholen Sie den Ablauf nach Korrektur des Aufbaus, bevor Sie die Armauflage bewerten.
  • Kein erkennbarer Unterschied: Halten Sie das genauso fest. Verstärken Sie die Anspannung nicht, um einen Ausschlag zu erzwingen. Prüfen Sie zunächst, ob der kurze Schultertest aus Schritt 3 eine Reaktion erzeugt hat.

Wiederholen Sie den Ablauf an einem zweiten Tag zur selben Uhrzeit und mit derselben Seite, Position, Aufgabe und Filtereinstellung. Ein Mikrovoltwert aus einer anderen Muskelstelle oder mit einem anderen Filter ist kein passender Vergleichswert. Aus den Aufzeichnungen lässt sich keine Erkrankung oder deren Behandlungserfolg bestimmen.

Welche Funktionen Ihre Edition bietet und wie Sie die Messung vorbereiten, finden Sie auf der Informationsseite zum eSense Muscle. Legen Sie für Ihre nächste Sitzung das ausgefüllte Protokoll und das Foto der Elektroden bereit.

Wichtiger Hinweis: Die Anleitung unterstützt die Selbstbeobachtung und das Biofeedback-Training. Sie ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.