Studien-Steckbrief
| Autoren | Wong N.S.M., Yeung A.W.K., McGrath C.P., Leung Y.Y. |
| Institution | Universität Hongkong |
| Journal | International Dental Journal (Elsevier) |
| Jahr | 2025 |
| DOI | 10.1016/j.identj.2025.100882 |
| PubMed | PMC12272129 |
| Produkt | eSense Respiration |
| Teilnehmer | 60 Patienten (RCT, randomisiert-kontrolliert) |
| Design | Einblinde, randomisierte Parallelgruppen-RCT |
Was wurde untersucht?
Forscher der Universität Hongkong untersuchten, ob Atembiofeedback in Echtzeit die Angst und die physiologischen Stressreaktionen von Patienten während einer Zahnextraktion unter Lokalanästhesie reduzieren kann. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob situative Angst während des zahnmedizinischen Eingriffs durch visuelle Rückkopplung der eigenen Atemparameter in Echtzeit messbar beeinflusst werden kann. Es handelt sich um eine der ersten randomisierten kontrollierten Studien zum Einsatz von Atembiofeedback in der Zahnmedizin.
Methodik
62 Patienten wurden randomisiert und 60 schlossen die Studie ab (30 pro Gruppe). Eingeschlossen wurden Erwachsene (18+) mit Bedarf an nicht-chirurgischer Zahnextraktion unter Lokalanästhesie. Messungen erfolgten präoperativ, perioperativ und postoperativ. Die Biofeedback-Gruppe erhielt Echtzeit-Rückmeldung ihrer Atemparameter über Epson Moverio BT-30C Smart Glasses, wobei ein farbcodiertes Symbol die Atemkohärenz anzeigte (Rot = inkohärentes Atmen, Grün = tiefes, kohärentes Atmen). Die Kontrollgruppe trug identische Hardware, erhielt jedoch kein Feedback auf der Brille. Messinstrumente umfassten Atemfrequenz und -amplitude, Pulsrate sowie validierte Angstskalen (VAS, STAI, MDAS, DFS).
Mindfield-Produkt in dieser Studie
Der eSense Respiration (Mindfield Biosystems Ltd., Gronau, Deutschland) war das Kerninstrument dieser Studie. Der dehnbare Gurtsensor wurde um den Bauch der Patienten befestigt und maß Atemfrequenz, -tiefe und Atemmuster in Echtzeit während des gesamten zahnmedizinischen Eingriffs. Die Daten liefen vom eSense Respiration-Sensor über ein Tablet per WLAN an die Smart Glasses der Biofeedback-Gruppe. Die Kontrollgruppe trug denselben Sensor, erhielt aber kein Feedback. Der eSense Respiration war damit sowohl Messgerät als auch Biofeedback-Quelle für die zentrale Intervention dieser klinischen Studie — unter realen klinischen Bedingungen (Zahnarztpraxis, Patienten unter Stress).
Ergebnisse
Die Forscher fanden folgende statistisch signifikante Unterschiede zugunsten der Biofeedback-Gruppe:
Während des Eingriffs (perioperativ):
- Signifikant niedrigere Atemfrequenz (mittlere Differenz: -2,75 Atemzüge/min; p = 0,03)
- Höhere Atemregularität (+5,63 Prozentpunkte; p = 0,035)
- Höhere Atemamplitude (+48,83 Einheiten; p = 0,005)
Nach dem Eingriff (postoperativ):
- Stärkerer Rückgang der Pulsrate (-3,61 bpm; p = 0,030)
- Signifikant niedrigere STAI-State-Angstwerte (situative Angst; p = 0,015)
- Signifikant niedrigere VAS-Angstwerte direkt nach dem Eingriff (p = 0,002)
Keine signifikanten Unterschiede zeigten sich bei den zahnspezifischen Langzeit-Angstmaßen MDAS und DFS. Die Autoren interpretieren dies damit, dass tief verwurzelte Zahnbehandlungsangst (als stabiles Persönlichkeitsmerkmal) durch eine einzelne Biofeedback-Sitzung nicht wesentlich verändert wird — die Intervention zeigte ihre Wirkung spezifisch auf die situative Angst während des Eingriffs.
Bedeutung
Diese Studie ist die bislang einzige publizierte randomisierte kontrollierte Studie (RCT), in der der eSense Respiration als primäres Messinstrument in einer klinischen Interventionsstudie verwendet wurde. Sie demonstriert die praktische Einsetzbarkeit des Sensors unter realen klinischen Bedingungen — im Behandlungsstuhl einer Zahnarztpraxis, bei Patienten unter akutem Stress, während eines medizinischen Eingriffs.
Die signifikante Reduktion situativer Angst (STAI-State, VAS) und die verbesserten Atemparameter belegen, dass Echtzeit-Atembiofeedback mit dem eSense Respiration einen nachweisbaren Effekt auf die perioperative Stressphysiologie hat. Die Studie erschien 2025 im International Dental Journal, einem international anerkannten Fachjournal der Zahnmedizin.
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