Studien-Steckbrief
| Autoren | Wiltshire C.N., Wanna C.P., Stenson A.F., Minton S.T., Reda M.H., Davie W.M., Hinrichs R., Winters S., France J.M., Jovanovic T. |
| Institution | Wayne State University, Detroit / Emory University Atlanta, USA |
| Journal | Behaviour Research and Therapy |
| Jahr | 2022 |
| DOI | 10.1016/j.brat.2022.104036 |
| PubMed | PMC8887191 |
| Produkt | eSense Skin Response |
| Teilnehmer | 56 Kinder (Durchschnittsalter 9,1 Jahre) |
| Förderung | NIH / National Institute of Mental Health |
Was wurde untersucht?
Forscher der Wayne State University und der Emory University untersuchten erstmals systematisch, ob Hautleitwertmessungen mit mobiler Consumer-Technologie physiologische Reaktionen auf Trauma-bezogene Interviews bei Kindern erfassen können. Die zentrale Frage lautete: Zeigen Kinder mit mehr Traumaerfahrungen oder stärkeren PTBS-Symptomen messbar andere Hautleitwertmuster — und kann ein kostengünstiges mobiles Gerät diese Unterschiede in gemeindenahen Einrichtungen zuverlässig erfassen?
Methodik
An der NIH-geförderten Querschnittsstudie nahmen 56 Kinder mit einem Durchschnittsalter von 9,1 Jahren teil, rekrutiert im Raum Detroit, Michigan. Die Stichprobe war demographisch divers (76,8 % schwarz, 14,3 % weiß). Die Traumaexposition wurde mit dem TESI-C (Traumatic Events Screening Inventory) in einem semi-strukturierten Interview mit 24 Fragen zur lebenslangen Traumageschichte erfasst. PTBS-Symptome wurden mit dem UCLA PTSD Reaction Index gemessen, mit besonderem Fokus auf Hyperarousal-Symptome. Jedes Kind durchlief eine einmalige Sitzung mit einer Ruhephase und kontinuierlicher Messung während des gesamten Trauma-Interviews.
Mindfield-Produkt in dieser Studie
Der eSense Skin Response von Mindfield Biosystems war das einzige Messgerät für die Hautleitwertmessung. Die Messung erfolgte über die eSense App auf einem Apple iPad mit einer Abtastrate von 5 Hz. Die Elektroden wurden am Zeigefinger und Mittelfinger der nicht-dominanten Hand mit isotonischer Elektrodenpaste befestigt. Das Setup erwies sich auch für die junge Altersgruppe als praktikabel. Die Autoren hoben ausdrücklich die Vorteile des Geräts hervor: niedrige Kosten, Portabilität und geringer Schulungsaufwand für Fachpersonal. Sie verweisen auf die Validierung des eSense gegen das klinische Referenzgerät Biopac (Hinrichs et al. 2017) als methodische Grundlage.
Ergebnisse
Die Forscher fanden statistisch signifikante Veränderungen der Hautleitwertaktivität über den Verlauf des Trauma-Interviews (F(2,110) = 46,13; p < 0,001): Der Maximalwert während des Interviews überstieg die Ruhe-Basislinie signifikant, und bis zum Interviewende zeigte sich eine signifikante Habituation der Reaktion.
Zentrale Befunde zu den inhaltlichen Zusammenhängen:
- Die Anzahl der erlebten Traumaereignisse korrelierte positiv mit der Stärke der Hautleitwertreaktion: r(55) = 0,30; p = 0,023. Dieser Zusammenhang blieb auch nach statistischer Kontrolle demografischer Variablen signifikant.
- Stärkere Hyperarousal-Symptome korrelierten mit einem stärkeren Ausmaß der Habituation der Hautleitwertaktivität während des Interviews: r(54) = 0,30; p = 0,016.
- Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede im Baseline-Hautleitwert zwischen schwarzen und nicht-schwarzen Kindern (p = 0,82), was die Anwendbarkeit des Messverfahrens in dieser demographisch diversen Gruppe bestätigt.
Bedeutung
Diese Studie ist die erste, die mobile Hautleitwertmessung mit dem eSense Skin Response systematisch bei traumatisierten Kindern untersucht. Die Ergebnisse belegen, dass physiologische Reaktionen auf Trauma-Interviews auch bei Kindern im Grundschulalter mit einem Consumer-Sensor messbar sind — und dass die gemessenen Reaktionen statistisch bedeutsame Zusammenhänge mit Traumaexposition und PTBS-Symptomen zeigen.
Die Studie wurde durch das NIH (National Institute of Mental Health, R01-MH111682) gefördert, was den hohen wissenschaftlichen Standard der Untersuchung unterstreicht. Besonders relevant ist die Demonstration, dass das Messverfahren auch bei einer demographisch diversen, unterversorgten Population praktikabel ist — ein wichtiger Befund für den Einsatz in gemeindenahen Einrichtungen außerhalb des Labors.
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