Studien-Steckbrief
| Autoren | Schmid G.B., Hackl W., Gfatter F., Grill C., Gmeiner C., Grill A. |
| Institution | Medizinische Universität Wien, Österreich |
| Journal | British Journal of Anaesthesia (Elsevier, IF ≈ 10) |
| Jahr | 2020 |
| DOI | 10.1016/j.bja.2020.06.028 |
| PubMed | PMID 32653082 |
| Produkt | MindLights |
| Design | Randomisierte kontrollierte Studie (RCT) |
| Teilnehmer | 49 Kinder (6 Monate – 8 Jahre) |
Was wurde untersucht?
Forscher der Medizinischen Universität Wien untersuchten, ob audiovisuelles Brainwave Entrainment während einer Narkose den Bedarf an Propofol (einem häufig verwendeten Narkosemittel) bei Kindern senken kann. Die Idee: Durch gezielte Licht- und Klangreize soll das Gehirn in einen tieferen Entspannungszustand versetzt werden, sodass weniger Medikamente für eine ausreichende Narkosetiefe benötigt werden.
Methodik
In dieser randomisierten kontrollierten Studie wurden 49 Kinder im Alter von 6 Monaten bis 8 Jahren untersucht, die sich kleinen chirurgischen Eingriffen unter Vollnarkose unterzogen. Die Kinder wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt:
- Interventionsgruppe (n=24): Audiovisuelles Brainwave Entrainment mit dem MindLights-System während der gesamten Narkose
- Kontrollgruppe (n=25): Standard-Narkose ohne zusätzliche Stimulation
Alle Kinder erhielten eine Propofol-gestützte Narkose (Total Intravenous Anaesthesia, TIVA). Der primäre Endpunkt war die Rate des Propofol-Verbrauchs (mg/kg/h). Die Narkosetiefe wurde mit dem Bispektralen Index (BIS) überwacht.
Mindfield-Produkt in dieser Studie
Die Forscher verwendeten das MindLights-System von Mindfield Biosystems. Dieses Gerät erzeugt audiovisuelle Stimulationsmuster (Brainwave Entrainment), die über eine spezielle Brille und Kopfhörer appliziert werden. Die Licht- und Tonfrequenzen werden so moduliert, dass sie die Hirnwellenaktivität in Richtung tieferer Entspannungszustände führen können.
Ergebnisse
Primärer Endpunkt – Propofol-Verbrauch: Die Interventionsgruppe benötigte im Durchschnitt nur 3,0 mg/kg/h Propofol, während die Kontrollgruppe 4,2 mg/kg/h verbrauchte. Das entspricht einer Reduktion um 29 % (p < 0,001).
Sekundäre Endpunkte:
- Beide Gruppen zeigten vergleichbare BIS-Werte, was bedeutet, dass die Narkosetiefe trotz geringerer Propofol-Dosis adäquat war
- Es traten keine unerwünschten Ereignisse im Zusammenhang mit dem MindLights-System auf
- Die Aufwachzeit war in der Interventionsgruppe tendenziell kürzer
Bedeutung
Die Studie wurde im British Journal of Anaesthesia veröffentlicht, einer der renommiertesten Fachzeitschriften der Anästhesiologie (Impact Factor ≈ 10). Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass audiovisuelles Brainwave Entrainment mit MindLights eine nicht-pharmakologische Möglichkeit bieten kann, den Narkosemittelbedarf bei pädiatrischen Eingriffen zu senken.
Eine Reduktion des Propofol-Verbrauchs um fast ein Drittel ist klinisch relevant: Weniger Narkosemittel bedeuten potenziell weniger Nebenwirkungen, schnellere Erholung und geringere Kosten. Die Studie wurde von der Medizinischen Universität Wien unabhängig von Mindfield Biosystems durchgeführt.
Originalpublikation im British Journal of Anaesthesia: