Studien-Steckbrief
| Autoren | Wiltshire C.N., Wanna C.P., Stenson A.F., Minton S.T., Reda M.H., Davie W.M., Hinrichs R., Winters S., France J.M., Jovanovic T. |
| Institution | Wayne State University / Emory University, USA |
| Journal | Journal of Mood and Anxiety Disorders (Elsevier) |
| Jahr | 2024 |
| Link | ScienceDirect |
| Produkt | eSense Skin Response |
| Teilnehmer | 43 Kinder (prospektiv, 2 Jahre Follow-up) |
| Studientyp | Prospektive Längsschnittstudie |
Was wurde untersucht?
In dieser prospektiven Folgestudie der Wayne State University und Emory University wurde untersucht, ob die während eines Trauma-Interviews bei Kindern gemessene Hautleitwertreaktion den PTBS-Schweregrad zwei Jahre später vorhersagen kann. Diese Frage wurde bislang nur bei Erwachsenen untersucht — diese Studie liefert einen der ersten prospektiven Belege für Kinder im Grundschulalter. Im Mittelpunkt stand dabei auch die Rolle der individuellen Traumaexposition als moderierender Faktor: Verändert das Ausmaß der erlebten Belastungen, wie stark die physiologische Reaktion den späteren PTBS-Verlauf vorhersagt?
Methodik
43 Kinder, die bereits an der Querschnittsstudie von Wiltshire et al. 2022 teilgenommen hatten, wurden zwei Jahre nach der Ersterhebung erneut befragt. Die Kinder waren zum Zeitpunkt der Baseline-Messung im Durchschnitt neun Jahre alt, stammten überwiegend aus afroamerikanischen Familien in einem urbanen Umfeld mit erhöhter Gewaltexposition und wurden in Detroit rekrutiert. Bei der Ersterhebung wurde die Hautleitwertreaktion während eines standardisierten Trauma-Interviews (TESI-C) kontinuierlich gemessen. Beim Follow-up nach zwei Jahren wurde der Schweregrad der PTBS-Symptomatik per Selbstbeurteilung erfasst. Die statistische Analyse prüfte, ob und unter welchen Bedingungen die Baseline-Hautleitwertreaktion den späteren PTBS-Wert vorhersagt.
Mindfield-Produkt in dieser Studie
Der eSense Skin Response von Mindfield Biosystems wurde bei der Ersterhebung als zentrales Messinstrument eingesetzt. Die Messung erfolgte über die eSense-App auf einem Apple iPad; isotonische Paste und Elektroden wurden am Zeige- und Mittelfinger der nicht-dominanten Hand angebracht. Die Verbindung zum iPad erfolgte über den Audioanschluss. Die Datenerfassung lief mit 5 Hz kontinuierlich über die gesamte Dauer des Trauma-Interviews. Die Hautleitwertreaktion wurde als Differenz zwischen dem maximalen Hautleitwert während des Interviews und dem Ausgangswert der Ruhephase berechnet. In der Vorgängerstudie (Wiltshire et al. 2022) wurden über 90 % der Datensätze als auswertbar eingestuft — ein Beleg für die hohe Praxistauglichkeit des Systems auch bei jungen Probanden.
Ergebnisse
Die Forscher fanden eine statistisch signifikante Interaktion zwischen der Hautleitwertreaktion und dem Ausmaß der Traumaexposition bei der Vorhersage des späteren PTBS-Schweregrades. Die Ergebnisse zeigten ein differenziertes Muster:
- Kinder mit geringerer Traumaexposition, die gleichzeitig eine höhere Hautleitwertreaktion während des Interviews aufwiesen, berichteten zwei Jahre später über einen signifikant höheren PTBS-Schweregrad — auch nach statistischer Kontrolle der PTBS-Baseline-Symptomatik
- Bei Kindern mit höherer Traumaexposition zeigte sich dieser Zusammenhang nicht, was die Forscher als möglichen Deckeneffekt der PTBS-Symptomatik bei stark belasteten Kindern interpretieren
Die Befunde deuten darauf hin, dass eine erhöhte physiologische Reaktivität bei moderat traumaexponierten Kindern auf eine erhöhte biologische Vulnerabilität hinweisen könnte — ein Befund, der klinisch bedeutsam ist, da gerade diese Gruppe im Screening-Alltag leicht übersehen wird.
Bedeutung
Diese Studie liefert einen der ersten prospektiven Belege dafür, dass die Hautleitwertreaktion beim Trauma-Interview bei Kindern den PTBS-Verlauf über zwei Jahre vorhersagen kann. Während entsprechende Belege für Erwachsene bereits vorlagen (Hinrichs et al. 2019), schließt diese Arbeit eine wichtige Lücke für die pädiatrische Forschung.
Praktisch bedeutsam ist, dass diese Vorhersage mit einem Consumer-Sensor (eSense Skin Response) in einem klinischen Interview-Setting möglich ist — ohne aufwendige Laborausrüstung. Die moderierende Rolle der Traumaexposition zeigt zugleich, dass physiologische Biomarker im klinischen Kontext immer in Verbindung mit der individuellen Traumageschichte interpretiert werden sollten.
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