Schlaganfall-PTSD Vorhersage (Meinhausen 2024)

Studien-Steckbrief

Autoren Meinhausen C., Sanchez G.J., Robles T.F., Edmondson D., Kronish I.M., Hinrichs R., Jovanovic T., Sumner J.A.
Institution Columbia University / UCLA / Emory University, USA
Journal Depression and Anxiety (Wiley)
Jahr 2023 (PubMed-Indexierung 2024)
DOI 10.1155/2023/6671337
PubMed PMID 39015247
Produkt eSense Skin Response
Teilnehmer 64 Schlaganfall-/TIA-Patienten (prospektiv, 1 Monat Follow-up)

Was wurde untersucht?

In dieser prospektiven Folgestudie untersuchte dieselbe Forschungsgruppe der Columbia University und UCLA, ob die Hautleitwertreaktivität — gemessen kurz nach einem Schlaganfall noch im Krankenhaus — den späteren PTBS-Schweregrad nach einem Monat vorhersagen kann. Erstmals wurde dabei ein differenzierter Ansatz verfolgt: Die Forscher unterschieden zwischen furchtbezogenen PTBS-Symptomen (Angst, Vermeidung) und Dysphorie-bezogenen Symptomen (emotionale Taubheit, Niedergeschlagenheit). Es handelt sich um die erste prospektive Untersuchung, die physiologische Arousal-Reaktivität als frühen Biomarker für Schlaganfall-induzierte PTBS prüft.

Methodik

64 Erwachsene wurden nach Schlaganfall oder transitorischer ischämischer Attacke (TIA) während des Krankenhausaufenthalts eingeschlossen. Die Hautleitwertmessung erfolgte im Mittel 1–2 Tage nach dem Ereignis. PTBS-Symptome wurden nach einem Monat post-Entlassung mit einem strukturierten Interview erfasst, wobei zwischen verschiedenen Symptom-Dimensionen differenziert wurde: übergeordnete Angst-Symptome, ängstliche Erregung, Vermeidungsverhalten sowie Dysphorie-Symptome. Die statistische Auswertung erfolgte mit Regressionsanalysen, die für zahlreiche potenzielle Einflussfaktoren adjustiert wurden — darunter Alter, Geschlecht, Schlaganfallschwere, medizinische Komorbiditäten und psychosoziale Faktoren.

Mindfield-Produkt in dieser Studie

Der eSense Skin Response (Mindfield Biosystems, Berlin) wurde am Krankenbett eingesetzt, verbunden mit einem iPad. Die Elektroden wurden an den mittleren Phalangen von Zeige- und Mittelfinger der nicht-dominanten Hand platziert. Das Protokoll umfasste eine 2-minütige Ruhe-Baseline, gefolgt von einem standardisierten Trauma-Interview mit 15 Fragen zum Schlaganfall-Erlebnis. Die Datenerfassung erfolgte mit einer Abtastrate von 10 Hz. Die Hautleitwertreaktion (SCR) wurde als Differenz zwischen dem Baseline-Durchschnitt und dem Maximum während des Interviews berechnet (in Mikrosiemens). Das methodische Setup entspricht dem der Vorgängerstudie Meinhausen et al. 2023.

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Ergebnisse

Die Forscher fanden in den statistischen Analysen signifikante positive Zusammenhänge zwischen der im Krankenhaus gemessenen Hautleitwertreaktivität und furchtbezogenen PTBS-Symptomen nach einem Monat:

  • Übergeordnete Angst-Symptome (Higher-Order Fear): r = 0,30; p = 0,016
  • Ängstliche Erregung (Anxious Arousal): r = 0,27; p = 0,035
  • Vermeidungsverhalten (Avoidance): r = 0,25; p = 0,043

Diese Zusammenhänge blieben auch nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Schlaganfallschwere, medizinischen Komorbiditäten und psychosozialen Faktoren statistisch bedeutsam. Kein signifikanter Zusammenhang zeigte sich zwischen der Hautleitwertreaktion und Dysphorie-bezogenen PTBS-Symptomen (emotionale Taubheit, Niedergeschlagenheit). Die Forscher interpretieren dies als Hinweis darauf, dass physiologische Arousal-Marker spezifisch mit dem furchtbasierten Anteil von PTBS assoziiert sind — nicht mit dem depressiven Anteil.

Bedeutung

Diese Studie ist die erste prospektive Untersuchung, die physiologische Arousal-Reaktivität als frühen Prädiktor für Schlaganfall-PTBS prüft — ein bislang kaum erforschtes Feld der psychophysiologischen Medizin. Die differenzierten Befunde zur Spezifität des Zusammenhangs (nur furchtbezogene, nicht Dysphorie-bezogene Symptome) liefern wichtige theoretische Erkenntnisse zur Neurobiologie des medizinisch induzierten Traumas.

Für die praktische Einordnung bedeutsam: Eine einfache, nicht-invasive Hautleitwertmessung von unter 15 Minuten Dauer am Krankenbett war in der Lage, statistisch bedeutsame Zusammenhänge mit dem PTBS-Outcome nach einem Monat zu erfassen. Dies unterstreicht das Potenzial mobiler Biosensoren als Screening-Instrument in der klinischen Akutversorgung.