Studien-Steckbrief
| Autoren | Meinhausen C., Sanchez G.J., Robles T.F., Edmondson D., Kronish I.M., Hinrichs R., Jovanovic T., Sumner J.A. |
| Institution | Columbia University / UCLA / Emory University, USA |
| Journal | Chronic Stress (SAGE) |
| Jahr | 2023 |
| DOI | 10.1177/24705470231156571 |
| PubMed | PMC9940223 |
| Produkt | eSense Skin Response |
| Teilnehmer | 98 Schlaganfall-/TIA-Patienten (Krankenhaus) |
Was wurde untersucht?
Schlaganfälle können von Betroffenen als lebensbedrohliches Ereignis erlebt werden und in der Folge zu einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) führen. Forscher eines US-amerikanischen Forschungskonsortiums (Columbia University, UCLA, Emory University) untersuchten, welche Patientenmerkmale mit einer erhöhten Hautleitwertreaktivität während einer schlaganfallbezogenen Trauma-Befragung noch im Krankenhaus zusammenhängen. Ziel war es, physiologische Marker zu identifizieren, die bereits in der Akutphase der Erkrankung auf ein erhöhtes PTBS-Risiko hinweisen könnten.
Methodik
Die Studie schloss 98 Patienten mit akutem Schlaganfall oder transitorischer ischämischer Attacke (TIA) ein, die am Krankenbett befragt wurden. Das Durchschnittsalter betrug 60,4 Jahre; die Stichprobe war ethnisch divers (39,8 % hispanisch, 33,7 % nicht-hispanisch schwarz, 20,4 % nicht-hispanisch weiß). Die Messungen dauerten unter 15 Minuten und bestanden aus einer zweiminütigen Ruhe-Baseline und einem standardisierten Interview mit 15 Fragen zum Schlaganfall-Erlebnis. Bei 89,9 % der Teilnehmer konnten auswertbare Daten gewonnen werden — ein Beleg für die Praxistauglichkeit des Messverfahrens unter klinischen Bedingungen.
Mindfield-Produkt in dieser Studie
Der eSense Skin Response (Mindfield Biosystems, Berlin) wurde direkt am Krankenbett der Patienten eingesetzt, verbunden mit einem iPad. Die Elektroden wurden mit Klettverschluss an den mittleren Fingerkuppen befestigt und mit isotonischer Paste beschichtet. Die Datenerfassung erfolgte mit einer Abtastrate von 10 Hz. Die Hautleitwertreaktion (SCR) wurde als Differenz zwischen dem maximalen Hautleitwert während des Interviews und dem Durchschnitt der letzten 30 Sekunden der Ruhephase berechnet. Das Gerät bewährte sich unter den anspruchsvollen Bedingungen einer neurologischen Station — bei 88 von 98 Patienten (89,9 %) wurden auswertbare Messdaten gewonnen.
Ergebnisse
Die Forscher fanden, dass eine höhere kumulative Traumabelastung (Gesamtzahl bisheriger lebensgeschichtlicher Traumaerfahrungen) mit einer signifikant stärkeren Hautleitwertreaktivität auf schlaganfallbezogene Erinnerungen zusammenhing (r = 0,23; p = 0,04). Dieser Zusammenhang blieb auch nach statistischer Anpassung für Alter und Medikamenteneinnahme bestehen (β = 0,22; p = 0,04).
Patienten, die im Krankenhaus Benzodiazepine erhielten, zeigten eine deutlich stärkere Hautleitwertreaktion als Patienten ohne diese Medikation (Mittelwert 1,51 µS vs. 0,76 µS; p = 0,01; Effektstärke Cohen’s d = 0,60). Die Autoren interpretieren dies als Hinweis darauf, dass diese Patienten eine ausgeprägtere akute Belastungsreaktion erlebten. Keine signifikanten Zusammenhänge zeigten sich für Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Bildungsstand oder Schlaganfallschwere.
Bedeutung
Diese Studie belegt die praktische Einsetzbarkeit des eSense Skin Response unter klinischen Bedingungen: Mobile Hautleitwertmessung direkt am Krankenbett von Schlaganfallpatienten war durchführbar und lieferte bei fast 90 % der Teilnehmer auswertbare Daten — auch in einer medizinischen Hochrisikopopulation mit heterogener Vorgeschichte. Dies ist ein wichtiger Nachweis für die Robustheit des Sensors unter realen Bedingungen außerhalb kontrollierter Laborsettings.
Wissenschaftlich zeigen die Ergebnisse, dass die physiologische Reaktivität in der Akutphase nach einem Schlaganfall mit der individuellen Traumabiografie der Patienten zusammenhängt. Die Autoren empfehlen Längsschnittstudien, um zu untersuchen, ob die SCR-Reaktivität die spätere PTBS-Entwicklung vorhersagen kann — eine Frage, die in der Folgestudie der gleichen Forschungsgruppe aufgegriffen wird.
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