Studien-Steckbrief
| Autoren | Grasser L.R., Saad B., Bazzi C., Wanna C., Abu Suhaiban H., Mammo D., Jovanovic T., Javanbakht A. |
| Institution | Wayne State University School of Medicine, Detroit, USA |
| Journal | European Journal of Psychotraumatology |
| Jahr | 2022 |
| DOI | 10.1080/20008198.2022.2083375 |
| PubMed | PMC9196716 |
| Produkt | eSense Skin Response |
| Teilnehmer | 86 geflüchtete Jugendliche aus Syrien und Irak |
Was wurde untersucht?
Forscher der Wayne State University School of Medicine untersuchten, ob die Hautleitwertreaktion (Skin Conductance Response, SCR) während eines strukturierten Trauma-Interviews als physiologischer Biomarker für traumabezogene Psychopathologie bei geflüchteten Jugendlichen geeignet ist. Im Fokus stand die Frage, ob Ausmaß der Traumaexposition und PTBS-Symptomcluster — wie Wiedererleben und Hyperarousal — mit messbaren autonomen Stressreaktionen zusammenhängen. Gleichzeitig wurde geprüft, ob ein kostengünstiges mobiles Messverfahren sowohl im häuslichen Umfeld als auch im klinischen Labor praktikabel einsetzbar ist.
Methodik
An der Querschnittsstudie nahmen 86 geflüchtete Jugendliche aus Syrien und dem Irak teil (50 männlich, 36 weiblich; Alter 7–17 Jahre; Durchschnitt 12,4 Jahre), die seit mindestens einem Jahr im Raum Südost-Michigan neu angesiedelt waren. Bewusst wurde die Messung in zwei verschiedenen Umgebungen durchgeführt: bei 31 Teilnehmern zuhause und bei 55 Teilnehmern im Labor — ein direkter Test auf Praxistauglichkeit unter unterschiedlichen Bedingungen. Traumaexposition und PTBS-Symptome wurden mit dem Harvard Trauma Questionnaire (Selbstbericht) erfasst. Die physiologische Messung erfolgte über eine Baseline-Phase und kontinuierlich während des gesamten Interviews.
Mindfield-Produkt in dieser Studie
Die Forscher setzten die mobile eSense-Applikation von Mindfield Biosystems auf iPads ein. Zwei Ag/AgCl-Elektroden mit isotonischer Paste wurden auf den Mittelphalangen des Zeige- und Mittelfingers der nicht-dominanten Hand befestigt. Das Protokoll umfasste eine zweiminütige Ruhephase zur Basislinienbestimmung, gefolgt von kontinuierlicher Messung während des Trauma-Interviews. Bemerkenswert: Das Setup funktionierte in beiden Messumgebungen — im häuslichen Umfeld der Teilnehmer ebenso wie im klinischen Labor — gleichermaßen zuverlässig.
Ergebnisse
Die Forscher fanden, dass die Hautleitwertaktivität während des Trauma-Interviews signifikant höher war als während der Baseline-Phase (B = 1,08 µS; t(139) = 5,72; p < 0,001; R² = 0,16). Der mittlere Hautleitwert stieg von 8,43 µS in der Ruhephase auf 9,52 µS während des Interviews.
Weitere Befunde:
- Ein höheres Ausmaß an Traumaexposition war mit stärkeren Hautleitwertreaktionen assoziiert (R² = 0,084; p = 0,042)
- Erhöhte physiologische Reaktionen korrelierten signifikant mit dem Symptomcluster „Wiedererleben“ (R² = 0,127; p = 0,028)
- Signifikante Zusammenhänge zeigten sich auch für Hyperarousal-Symptome (R² = 0,123; p = 0,048)
Die Autoren weisen auf die begrenzte Stichprobengröße und die Querschnittsanlage der Studie als Einschränkungen hin.
Bedeutung
Nach Angaben der Autoren ist dies die erste Studie, die Hautleitwertreaktionen auf Trauma-Interviews bei geflüchteten Jugendlichen systematisch untersucht. Die Ergebnisse liefern erste Hinweise darauf, dass physiologische Messungen das Erkennen traumabezogener Beschwerden in einer besonders vulnerablen Bevölkerungsgruppe unterstützen könnten — insbesondere dort, wo der Zugang zu spezialisierten psychologischen Ressourcen begrenzt ist.
Die erfolgreiche Anwendung des eSense Skin Response in beiden Settings — zuhause und im Labor — demonstriert die Praxisbreite des Geräts. Für Forschungsgruppen und Kliniker, die mit geflüchteten Bevölkerungsgruppen arbeiten, ist dies ein relevanter Nachweis der Einsetzbarkeit unter realen Feldbedingungen.
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